Spondylose (1)

Spondylose (1)

Deshalb bestehe ich in so vielen Fällen darauf, dass vor Beginn der Physiotherapie eine tierärztliche Untersuchung mit bildgebender Diagnostik stattfinden muss.

Dieser Hund hat gleich mehrere Baustellen, auf die ich meine physiotherapeutische Behandlung abstimmen muss. Im Röntgenbild farblich markiert sind die zahlreichen Spondylosen.


WAS SIND SPONDYLOSEN?

Spondylosen sind ein Reparaturversuch des Körpers. Sie treten auf, wenn die Bänder, Muskeln, Sehnen oder auch die Bandscheiben, die die Wirbel miteinander verbinden, geschwächt sind.

Diese Knochenspangen, die der Körper baut, um der Wirbelsäule wieder Stabilität zu verleihen sind im Grunde eine gute Idee – wenn ihr Bau nicht derart schmerzhaft wäre. Das Innere des Körpers ist kein luftleerer Raum, das ist voller verschiedener Gewebe. Und die Spondylosen arbeiten sich während ihrer Entstehung durch die dort vorhandenen Muskeln und Bänder und können auch Nerven äußerst unangenehm beeinflussen.

Sind die Knochenspangen geschlossen, sind sie schmerzlos und nur noch durch brachiale Gewalt zu zerstören. Die betroffenen Wirbel sind dann derart miteinander verbunden, dass sie nicht mehr beweglich sind. Spondylosen treten selten nur an einem einzigen Wirbel auf, das heißt, die Wirbelsäule eines betroffenen Tieres wird über kurz oder lang versteifen.

Der einmal ausgelöste Verknöcherungsprozess ist zudem nicht aufzuhalten, die Spondylose ist also nicht heilbar. Der therapeutische Fokus liegt somit auf Schmerz- sowie Entzündungshemmung und der Erhaltung der Beweglichkeit.

Darauf muss ich meine physiotherapeutische Behandlung und vor allem die Beratung meiner Kunden ausrichten.

Deshalb: keine Physiotherapie ohne vorherige tierärztliche Abklärung


WIE ENTSTEHEN SPONDYLOSEN?

Wie kann es dazu kommen, dass der Körper zu den gestern gezeigten Reparaturmaßnahmen gezwungen wird? Wie so oft in der Medizin taucht das Wort „idiopathisch“ in der Liste der Ursachen auf. Idiopathisch bedeutet „ohne erkennbare Ursache“. Man kann also einfach so mit Spondylosen konfrontiert werden. Ist so. Ärgerlich, unfair, aber nicht zu ändern.

Ein Auslöser mit erkennbarer Ursache (jaja …) ist beispielsweise ein Trauma wie ein Bruch eines Wirbels oder Dornfortsatzes oder auch ein Bandscheibenvorfall, der zum Nachgeben der Rückenspannung führt. Hier sind dann die Bänder betroffen, die ober- und unterhalb der Wirbelsäule verlaufen, das Ligamentum supraspinale und das Ligamentum longitudinale ventrale. Die physiologische Spannung ist reduziert, die Wirbelsäule wird im betroffenen Bereich instabil und der Körper sieht zu, dass er diesen Zustand behebt.

Auch Fehlbelastungen im Sport können zur Bildung von Spondylosen führen. Ausschlaggebend sind hier

  • übermäßige Kompression oder
  • Zug-, Dreh- sowie Scherbewegungen der Wirbelsäule.

Daraus folgt, dass ein Tier mit diagnostizierter Spondylose im Leistungssport nicht gut aufgehoben ist.

Weitere Ursache kann Übergewicht sein. Hier wird durch das Gewicht die Wirbelsäule so überlastet, dass der Körper zu Stabilisierungsmaßnahmen gezwungen wird.


WELCHE SYMPTOME GIBT ES?

Woran kann man als Halter nun erkennen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wie beschrieben, ist der Bau der Knochenspangen alles andere als schmerzlos und mit Entzündungen des umliegenden Gewebes verbunden.

  • Das betroffene Tier hat mehr oder weniger üble Rückenschmerzen
  • Man bemerkt möglicherweise, dass einige Stellen entlang der Wirbelsäule wärmer sind als andere
  • Es fallen Muskelverspannungen am Rücken auf
  • Das Tier verweigert bestimmte Bewegungen wie Treppensteigen, aus oder ins Auto springen
  • ein Pferd lässt sich nicht mehr gerne am Rücken putzen oder findet es gar nicht gut, wenn man mit dem Sattel ankommt
  • Ein Hund kann möglicherweise nicht mehr gut aufstehen oder legt sich fürchterlich umständlich hin
  • Vielleicht fällt einem auch ein veränderter Bewegungsablauf auf
  • Muskelabbau an der Hinterhand
  • die Rute pendelt nicht mehr so locker wie sonst

Und wie immer, wenn Schmerzen im Spiel sind, verändert sich auch das Wesen. Wie gut seid ihr gelaunt, wenn ihr Schmerzen habt? Als Mensch kann man sich entsprechend artikulieren, aber als Tier? Das Pferd hat noch nicht einmal einen Schmerzlaut, es leidet still. Der Hund zieht sich zurück. Lässt man ihn nicht in Ruhe, wird er möglicherweise grantig und setzt die Zähne ein. Und nein, er ist nicht aggressiv oder will die Weltherrschaft an sich reißen – er hat Schmerzen und keine andere Möglichkeit, uns das mitzuteilen.

Spätestens dann steht der Weg zum Tierarzt an. Nehmt Wesensveränderungen nicht einfach hin. Vor allem nicht bei älteren Tieren. Die sind nicht einfach so, die haben einen Grund.

Franzi

Teil 2 folgt…