Ellbogendysplasie (ED)

Ellbogendysplasie (ED)

Ihr seht hier Fotos und Röntgenbilder von meinem Rüden Felix, als er im Jahr 2007 mit ca. einem Jahr zu uns kam. Felix leidet unter einer extremen Form der Ellbogendysplasie. 2008 wurde das Bein in einer Operation so gut wie möglich begradigt.

Durch regelmäßige Horizontal®-Therapie, ein sehr gutes Bewegungsmanagement, Goldakupunktur (2013) und Thrombozyten-Therapie (2018) sind wir bis jetzt ohne den Einsatz von Schmerzmitteln zurechtgekommen. Heute, 2020, ist Felix 14 Jahre alt und erst jetzt ist ein dauerhafter Einsatz von Schmerzmedikamenten erforderlich.

Mehr über die Ellbogendysplasie und wie Ihr Eurem Vierbeiner helfen könnt, erfahrt Ihr in diesem Artikel. 


WAS BEDEUTET ELLBOGENDYSPLASIE?

Dysplasie kommt aus dem Griechischen und bedeutet Fehlanlange oder Missbildung eines Körperteils.

Das Ellbogengelenk wird von drei Knochen gebildet, dem Oberarm (Humerus), der Elle (Ulna) und der Speiche (Radius). Im Idealfall passen diese drei Knochen perfekt zusammen, arbeiten überwiegend als Scharniergelenk und sind an den Gelenkflächen mit einer gleichmäßigen Knorpelschicht überzogen.

Kommt es zu einem ungleichmäßigen Wachstum bzw. zu einer ungleichen Entwicklung dieser drei Knochen, wird das Ellbogengelenk nicht richtig ausgebildet und es entsteht eine Ellbogendysplasie. Die Ellbogendysplasie ist somit eine Skelettentwicklungsstörung des heranwachsenden Hundes, auch wenn sie oft erst später erkannt wird.


BEI WELCHEN HUNDEN TRITT SIE AUF?
 

Am häufigsten tritt sie bei schnell wachsenden, mittelgroßen bis großen Hunden auf. Rüden sind häufiger betroffen als Hündinnen.


WELCHE URSACHEN GIBT ES FÜR DIE ED?

Es liegt immer eine erbliche Komponente zugrunde, wobei der genaue Erbgang bisher nicht genau bekannt ist. Ein Gentest für diese Erkrankung konnte daher bisher nicht entwickelt werden. So können Elterntiere, die ED frei sind, die Anlage weitergeben und Nachkommen von ED erkrankten Elterntieren können wiederum frei von ED sein.

Weitere Faktoren, die das Entstehen einer ED begünstigen, sind:

zu schnelles Wachstum, oft durch Fütterung von zu energiereichem Welpenfutter hervorgerufen

Überversorgung mit Kalzium und Vitaminen

Übergewicht

traumatische Schädigungen oder auch

dauerhafte Überbelastung

Nicht angepasste Belastung, zu intensives und zu früh begonnenes Training, zu häufige Spring- und Drehbewegungen sowie unkontrollierte Beschleunigung und harte Stopps können sich ebenfalls negativ auf die Entwicklung des Ellbogengelenkes auswirken.

Ein wachsendes Hundeskelett muss mit Bedacht an die von ihm erwartete Belastung herangeführt werden!


Man unterscheidet, abhängig vom betroffenen Teil des Gelenkes unterschiedliche Formen der ED, die einzeln oder in Kombination auftreten können.

Die häufigsten sind:

• Frakturierter Processus Coronoideus / FPC = Abgetrennter Kronfortsatz der Ulna (Elle)

• Isolierter Processus Anconaeus / IPA = Nicht richtig verwachsener oder abgelöster Knochenfortsatz der Ulna (Elle)

• Osteochondrosis Dissecans / OCD = Ablösung von Knorpelarealen am Humerus (Oberarm)

• Nicht übereinstimmende (inkongruente) Gelenkflächen = Hierbei kommt es zur Stufenbildung zwischen Elle und Speiche. Dadurch passen die Gelenkflächen nicht optimal zusammen, die Funktion des Gelenkes ist beeinträchtigt und es kommt zur Überlastung.


WELCHE SYMPTOME KÖNNEN BEI DER ELLBOGENDYSPLASIE AUFTRETEN?

Die ersten Symptome sind häufig schon im Welpen- oder Junghundalter zu erkennen.

Geringe bis hochgradige intermittierende oder dauerhafte Lahmheit – nicht zwingend am betroffenen Bein

Lahmheit während und/oder nach Belastung oder nach dem Aufstehen (Anlaufschmerz)

Gelenkgeräusche (Krepitation)

Gelenkschwellung

Der Ellbogen wird an den Körper herangerückt, die Pfote nach außen gedreht

Bewegungsunlust

Muskelabbau


WIE WIRD EINE ED DIAGNOSTIZIERT?

Neben der klinischen Untersuchung mit Gangbildanalyse, Palpation, Tests für die Gelenkbeweglichkeit, gibt es eine Reihe bildgebender Verfahren. Aufgrund der Anatomie des Ellbogengelenkes ist eine normale Röntgenaufnahme oft nicht aussagekräftig genug. Mit einer CT oder Arthroskopie lässt sich am besten der Ist-Zustand des Gelenkes beurteilen.


WAS HÄUFIG ÜBERSEHEN WIRD:

Wie bereits beschrieben, kann eine dauerhafte Überbelastung der Ellbogengelenke ein auslösender Faktor für die Entstehung einer ED sein oder einen größeren Schweregrad hervorrufen. Daher sollte bei Lahmheit der Vorhand IMMER auch ein Augenmerk auf die Hinterhand gelegt werden und diese unbedingt in die Therapie miteinbezogen werden!

Bei Hunden liegt der Schwerpunkt auf der Vorhand, sie trägt ca. 65 % der Last. Dafür ist sie gebaut und wenn das Skelettwachstum abgeschlossen ist, für diese Belastung ausgelegt. Liegt aber beispielsweise eine nicht erkannte Hüftgelenksdysplasie (HD) vor, kann diese der Auslöser für eine Ellbogendysplasie sein.

Durch die Problematik hinten verlagert der Hund sein Gewicht mehr nach vorne und es kommt zu einer dauerhaften Überbelastung der Ellbogengelenke mit möglicherweise allen Konsequenzen.

Würde man jetzt nur das Ellbogengelenk behandeln, dessen Einschränkungen dem Halter aufgefallen und dessen Veränderungen möglicherweise auch in der bildgebenden Diagnostik sichtbar geworden sind, wären die Aussichten auf einen Therapieerfolg nicht optimal. Auf lange Sicht würde man sich wundern, dass sich ein Therapieerfolg gar nicht oder nur kurz einstellt.

Eine Ellbogendysplasie ist immer eine chronische Erkrankung des Hundeskeletts, aber es gibt viele Möglichkeiten Deinem Hund zu helfen und ihm trotzdem ein fröhliches Hundeleben zu ermöglichen.


WAS IST DAS BEHANDLUNGSZIEL?

Hauptziel der Therapie ist es, den betroffenen Hunden eine gute Lebensqualität mit größtmöglicher Schmerzfreiheit und guter Mobilität zu verschaffen. Die Überbelastung der anderen Gelenke und Strukturen soll so gut wie möglich minimiert werden.

Weiterhin wird darauf hingearbeitet, die Ausprägung und Folgen einer Arthrose, die unweigerlich bei einer ED vorhanden ist, weitestgehend hinauszuzögern.


WELCHE THERAPIEMÖGLICHKEITEN GIBT ES?

Operativ:

Operativ gibt es viele Möglichkeiten der Therapie, hier nur zwei Beispiele:

Bei extremen Achsabweichungen korrigiert man die Fehlstellung des Unterarmes soweit wie möglich

Die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) kann man sowohl diagnostisch als auch therapeutisch nutzen, um abgelöste Knochen- oder Knorpelfragmente im gleichen Eingriff zu entfernen, raue Knorpelflächen zu glätten und das Gelenk zu spülen.

Arthroskopie Ellbogendysplasie

Die Entscheidung für einen Eingriff am Ellbogen sollte man sehr gut abwägen. Es hört sich immer erschreckend an, wenn von losen Knochen- oder Knorpelstücken im Gelenk gesprochen wird. Häufig kommt die Lahmheit aber nicht durch die losen Fragmente, sondern durch die bereits vorhandene Arthrose.

Viele Tierärzte verfolgen mittlerweile auch den Ansatz, dass eine chirurgische Intervention am Ellbogengelenk die Bildung einer Arthrose, bzw. dessen Fortschreiten erst recht beschleunigen kann.

Konservativ:

Hier kommt nun die Horizontal®-Therapie ins Spiel. Wie bereits erwähnt, geht die ED immer mit einer Arthrose im Ellbogengelenk einher und gerade die Arthrose-Behandlung ist eine der Paradedisziplinen der HT.

Bei Arthrosen liegt ein Gelenkverschleiß vor, der laut Definition das altersübliche Maß überschreitet. Die HT kann hier regulierend wirken und die Schmerzen im betroffenen Gelenk reduzieren.

Dadurch steigt die Bewegungsfreude des Hundes, die Gelenkflüssigkeit wird wieder besser verteilt, der Gelenkknorpel sozusagen „geschmiert“. Knorpelgewebe hat keine Blutversorgung und wird ausschließlich über Diffusion ernährt. Eine gute Verteilung der Gelenkflüssigkeit sorgt somit für eine optimale Nährstoffversorgung und Erhalt des Knorpels.

Allein mit HT oder in Kombination mit Physiotherapie, einem guten Bewegungsmanagement, Gewichtskontrolle und ggf. anderen Therapieformen (z. B. Goldakupunktur, Thrombozyten-Therapie) kann man bei betroffenen Hunden sehr viel erreichen.

Kirsten